Donnerstag, 20. September 2012

Diagnose

Ich sitze mit ungesund hohem Herzklopfen in der Bahn auf dem Weg zum Arzt.
Vor der Praxis stehe ich eine gefühlte Ewigkeit und überlege ob ich das echt mache.
Öffne die Tür.
Im Fahrstuhl eine geschätzt 40 jährige, dicke Frau.
''Na, so unentschlossen, kaust da auf deinen Nägeln herum?'' fragt sie mich mit einem mütterlichen Schmalzbacken-Grinsen.
'ja..'
Sie sagt noch irgendwas aber meine Gedanken schweifen ab.
5. Stock.
Als ich den Raum betrete, werde ich empfangen, muss meine Adresse und Telefonnummer bestätigen.
''Alter und Gewicht, wenn sie das ungefähr wissen?''
Pf... ungefähr ja.. ich hab mich heute erst 2 mal gewogen.
Ich schlucke.
165 und 59 kilo.. ungefähr.
ich spüre wie sie mich innerlich für dieses Gewicht verspottet.
Blutdruck messen.
Wartezimmer.
Im Wartezimmer die Frau aus dem Fahrstuhl. Ich setze mich ans andere Ende des Raumes.
'' Na so schlimm wirds schon nicht werden'' -'hmh' was weiß die schon.
Mein Name.
In Zimmer 4.
''Hallo, ich bin Dr. We...''
''Hallo, Ronja.'' (ist übrigens nicht mein echter name, nur auf blogger)
''Setzt dich doch''
''danke''

Er fragt nach meinem Anliegen, und ich weiß nicht was ich sagen soll. Kurz vorm Heulen bringe ich einen Satz hervor und er sagt ich soll ihm alles erzählen. Ich will anfangen zu reden, meine Stimme bricht ab und ich breche in Tränen aus, versuche irgendwie Worte zwischen die Schluchtzer zu quetschen um ihm mein Befinden zu schildern, rede und rede. Er sitzt da und hört mir zu, nimmt mich ernst, nimmt mich nicht als pubertären Teenager wahr, wie ich es gedacht hatte. Hat verständnis, so viel. Er gibt mir eine Liste mit Kinder- und Jugendpsychologen in meiner Nähe (und das sind reichlich) und schreibt mir eine Überweisung.
ich bin irgendwie froh dass  ich weiß dass es sich jetzt ändern wird. 

seine  vorläufige Diagnose: Angst-Syndrom


Kommentare:

  1. Na siehst du, jetzt hast du es hinter dir ;) Und mit der Überweisung hast du jetzt sozusagen den ersten Schritt in Richtung Besserung gemacht.
    Angst-Syndrom...kenn ich sehr gut. Hat mein Freund auch und er ist in Therapie und langsam wird es besser ;)
    Du schaffst das auch :*

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  2. Hay :)
    Es freut mich für dich, dass du die erfahrung gemacht hast, dass dir jemand zuhört :)
    Ich war selbst in ner Klinik und bin jetzt in Psychotherapie und ich kann dir sagen das tut echht gut. jemand der dir zuhört, dir helfen kann und vorallem der dir glaubt und dem du nichts vormachen musst...
    Ich hoffe, dass auch du gute erfahrungen damit machst :)
    Lg Tea <3

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  3. ich habe gehofft, dass ich dadurch fliegen lerne. aber du lernst nicht fliegen, sondern du stürzt ab. und wenns schlecht läuft, kommst du nicht mehr hoch. die erleichterung, dass es jemanden gibt, der dich dennoch versteht und dir hilft und helfen kann, ist groß. sei stolz, dass du diesen schritt gemacht hast. sei stolz. denn fliegen lernen bedeutet nicht dünn sein. sondern das zu tun und zu haben, worum dich alle beneiden. dich selbst zu verstehen.

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